Heute frisch erschienen: Ein Blogbeitrag unserer Doktorandinnen Elena V. Scharnewski und Rebecca Kleinort. Es geht um das RCI-Projekt, unsere digital-born Regesten und die Chancen und Herausforderungen, die uns bei der digitalen Erarbeitung begegnen 🤗
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1. Von den großen und den kleinen Städten Wer an das Mittelalter denkt, hat oft Ritter und Burgen vor Augen. Doch prägend für diese Epoche war ebenso der Aufstieg der Städte. Unter den knapp 2.000 urbanen Zentren stechen etwa 100 im Besonderen hervor: die Freien und Reichsstädte. Ohne zwischengeschalteten Stadtherren, nur dem König bzw. Kaiser verpflichtet und auf dem Reichstag vertreten, nahmen sie eine besondere Rolle im Reichsgefüge ein. Doch unser Bild dieses Städtetypus ist seltsam verzerrt. Wenn wir an Reichsstädte denken, assoziieren wir fast automatisch die großen Wirtschaftsmetropolen: Nürnberg, Augsburg, Frankfurt oder Lübeck. Diese „Big Player“ sind bestens erforscht, ihre politische und ökonomische Bedeutung ist unbestritten. Die bisherige Forschung verleitet zu der Annahme, die großen Städte als Norm anzusehen – sie als Bezugsrahmen zu nutzen, an dem gemessen wird. Doch zeigt sich dieser Schluss als trügerisch. Die „typische“ Reichsstadt des Spätmittelalters war keine Großstadt, sondern kleine bis mittelgroße Orte mit oft weniger als 6.000 Einwohnenden. Vgl. Hektor Ammann, Das schweizerische Städtewesen des Mittelalters in seiner wirtschaftlichen und sozialen Ausprägung, in: Receuils de la Societe Jean Bodin 7 (1956), S. 483-529. Unsere Vorstellung einer „normalen“ Reichsstadt gründet sich also paradoxerweise auf einer Minderheit. Ein Forschungsdefizit, welches vor allem pragmatische Gründe hat. Anders als bei den großen Städten befindet sich die Überlieferung ihrer kleineren Schwestern in den Beständen lokaler Archive, die schwer zugänglich und in der Regel nicht gut erschlossen sind. Allerdings führt das zu einem Zirkelschluss: Wir erforschen die kleinen und mittelgroßen Reichsstädte nicht, weil wir wenig über sie wissen – und wir wissen wenig über sie, weil wir sie nicht erforschen. Aber auch diese Städte verfolgten, trotz geringerer Einwohnerzahlen und Flächen, als reichsunmittelbare Akteure eine eigenständige politische Agenda. Also höchste Zeit, das Bild geradezurücken 2. Regesta Civitatum Imperialium – Kerninhalte des Projektes Hier setzt das Projekt Regesta Civitatum Imperialium. Regesten als Grundlage der Erforschung der kleinen und mittleren südwestdeutschen Reichsstädte im Spätmittelalter (bis 1521) an: Das von der DFG zunächst für drei Jahre geförderte Projekt – unter der Leitung von Prof. Dr. Steffen Krieb und Prof. Dr. Jörg Rogge – ist an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz angesiedelt und erforscht in Kooperation mit den Regesta Imperii systematisch die Geschichte von 34 kleinen und mittleren Reichsstädten [2] im deutschen Südwesten. Ziel ist es, das bislang unerschlossene Quellenmaterial nach dem Provenienzprinzip aus den jeweiligen Stadtarchiven erhoben und in einer Open-Access-Datenbank in Form von digital born Regesten für eine breite Forschungsgemeinschaft zugänglich zu machen. Von Interesse sind dabei alle Quellen, die einen Bezug zum Reich erkennen lassen. Hierbei stehen primär die Korrespondenz mit dem Herrscher sowie der Austausch mit zentralen Reichsinstitutionen, etwa dem Hof- und Kammergericht oder den königlichen Landgerichten und Landvogteien im Fokus. Darüber hinaus wird die interstädtische Kommunikation aufgenommen, sofern sie eine reichspolitische Relevanz aufweist. Dies betrifft insbesondere Dokumente zu Städtebünden, deren Bestrebungen maßgeblich auch auf die Bewahrung der Reichsunmittelbarkeit ausgerichtet war.